Mittwoch, 12. Juli 2017

12.07.2015

Der 12.07.205 war ein Sonntag. Ein sonniger, warmer Tag. Mein Mann und ich wollten am Nachmittag ein befreundetes Paar in seinem neuen Haus besuchen. Ein normaler Sonntag im Sommer. 

Bis das Handy meines Mannes klingelte und mein Vater ihn fragte, ob er ihn abholen könne. Er war mit meiner Stiefmutter auf einer Radtour gewesen als sie auf dem Rad zusammengebrochen war. Der Notarzt war alarmiert. 
Wir brachen sofort auf. Sammelten meinen Vater auf einem Waldparkplatz und fuhren ins Krankenhaus. Meine Stiefmutter hatte wohl einen Herzstillstand und war gerade noch im OP. Die Ärzte schickten uns nach Hause – es würde mindestens 2 Stunden dauern, bis sie uns etwas zu ihrem Zustand sagen konnten.

Also brachten wir meinen Vater nach Hause und blieben bei ihm. Telefonierten mit meinen Geschwistern. Sorgten dafür, dass meine Stiefschwester mit ihrer kleinen Tochter nicht alleine war. Dass mein Vater etwas trank. 
Und fuhren dann wieder mit ihm ins Krankenhaus. Dort bat man uns auf die Intensivstation. Und sagte uns, dass sie es nicht geschafft hatte. Durch ihre Diabetes-Erkrankung war ihr Herz porös geworden und konnte seinen Dienst nicht mehr tun. Ihr Tod wäre nicht zu verhindern gewesen. Sie war nach ihrem Zusammenbruch nicht mehr aufgewacht.

Wir waren wie vor den Kopf geschlagen. Diese lebensfrohe, fitte Frau – gerade mal 60 Jahre alt – der Mittelpunkt unserer Patchwork-Familie sollte nicht mehr da sein? Ich ging mit meinem Vater in das Krankenzimmer, in das sie sie gelegt hatten. Sie sah aus als würde sie schlafen. Ich blieb bei meinem Vater, wollte und konnte ihn nicht alleine lassen. Mein Mann ging auf den Flur, um mit meinen Geschwistern zu telefonieren. Später trafen wir uns alle in der Wohnung meiner Stiefschwester. 

Den ganzen Tag über hatte ich das Gefühl, ich sei in Watte gepackt. Alles um mich herum fühlte sich dumpf an. Und falsch. Ganz falsch. Das sollte uns nicht passieren. Vor allem meinem Vater nicht, der so viel durchgemacht hatte in seinem Leben und der das Glück mit meiner Stiefmutter so verdient hatte. Und meinen Stiefgeschwistern nicht, die vor ein paar Jahren schon ihren Vater verloren hatte. Und auch meinem Bruder und mir nicht, die wir schon einmal um eine Mutter getrauert hatten. Über uns alle senkte sich an diesem Tag ein Schleier aus Trauer, Verlust und Schmerz.

Der Schmerz ist in den letzten 2 Jahren erträglicher geworden. Aber sie fehlt noch immer so sehr. Sie, die uns als Familie zusammengehalten hat. Die mich über 20 Jahre meines Lebens begleitet hat. Die so vieles in mir zu heilen versuchte, was andere kaputt gemacht hatten. Wenn ich meine Augen schließe, kann ich ihr Lachen noch hören. Sie wird immer ein Teil von mir, von uns allen bleiben.

Alles Liebe
Anni

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