Donnerstag, 1. Juni 2017

Mein Aussehen und ich - immer und immer wieder

Manchmal gibt es Tage, da schaue ich in den Spiegel und finde mich hübsch. Da sehe ich zwar, dass ich nicht schlank bin und dass ich Pickel habe, aber es ist okay für mich. Sehe meine schmalen Schultern und die Kurven an meiner Taille und mag meine Figur.

Und dann gibt es Tage, da schaue ich mich an und finde mich hässlich. Zu fett. Mag meine Nase nicht und dass meine Oberlippe weiter heraussteht als die Unterlippe. Möchte mir die Pickel aus dem Gesicht kratzen. Meine großen Brüste, den Bauch und die Oberschenkel verfluche ich. An solchen Tage ist es egal, was ich anziehe – ich fühle mich in nichts wohl. Fühle mich wie ein großer fetter Trampel. An diesen Tagen fasse ich regelmäßig den Entschluss abzunehmen. Auf Süßigkeiten zu verzichten. Ich bin wütend auf mich, meinen Körper. Frage mich, warum mein Mann mich geheiratet hat – wo er doch regelmäßig von viel hübscheren Frauen umgeben ist. Und diese Tage überwiegen die guten. Bei weitem. Seit Jahrzehnten.

Aussehen ist nicht alles. Ich weiß das. Und ich will mich auch nicht über mein Aussehen definieren – ich weiß, dass ich so viel mehr bin. Es nervt mich, dass ich immer wieder an diesen Punkt komme, an dem mich mein Aussehen so sehr beschäftigt. Ich weiß, dass ich mich nicht automatisch wohler fühlen würde, wäre ich schlanker. Aber es nagt zwischendurch so sehr an mir. Es zermürbt mich – auch, dass mir die Konsequenz fehlt, wirklich etwas an meinem Gewicht ändern zu können. Der Mechanismus Essen = Trost greift dafür einfach noch viel zu oft.  

Im Sommer ist es immer besonders stark – dieses Gefühl, hässlich zu sein. Wenn meine starken Waden unter den Röcken und Kleidern hervorschauen. Die T-Shirts über den Brüsten spannen oder so locker sitzen, dass ich noch massiver wirke. Meine Haare sich vom Schwitzen kräuseln. Wenn da keine Jacken sind, in denen ich mich verstecken kann. Und doch kaufe ich inzwischen Kleidung, in denen man meine Figur sieht. Schmale Hosen, knielange Kleider, figurbetonte Shirts. Ein Versuch, Frieden mit mir zu machen. 

Und wer jetzt fragt, warum ich auf Instagram immer wieder Bilder von mir veröffentliche – es geht mir dabei nicht um Komplimente, nicht um „du siehst doch toll aus“. Es geht mir darum, dass ich es irgendwann schaffen will, Frieden mit meinem Aussehen zu machen. Jahrelang gab es kaum Fotos von mir. Weil ich sie mir nicht anschauen konnte. Es tat mir zu weh, mich zu sehen wie ich eben nunmal bin. Aber das hat mein Selbstbild nur noch weiter verschlimmert. Vielleicht schaffe ich mit diesen Bildern zumindest einen kleinen weiteren Schritt in die richtige Richtung.

Ich will mich doch einfach nur wohl fühlen in meiner Haut. So wie ich bin. In den Spiegel schauen und das mögen, was ich sehe. Trotz Pickeln, störrischer Haare, Körbchengröße E und den gut 20 Kilo zu viel. Will mich so annehmen können wie ich bin. 

Alles Liebe
Anni

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