Mittwoch, 21. Juni 2017

Es mustert und mustert

Ich habe heute an verschiedenen Stellen darüber gelesen, wie schnell man in unvorteilhafte alte Muster rutschen kann, ohne es zu merken bzw. es dann erst zu merken, wenn man schon wieder mitten drin ist. 

In den letzten Tagen ging es mir ähnlich. Durch die Dosiserhöhung meines Antidepressivums bin ich aktuell recht stabil, und das auf einem guten Niveau. Ich bin gut gelaunt, mein Antrieb ist hochgegangen, ich fühle mich unbeschwerter. Ein schöner Zustand.
Doch er hat mich auch dazu verleitet, mir im Büro wieder mehr zuzutrauen. Antrieb ist ja wieder da, ich fühle mich leistungsfähiger – also gleich mal wieder alles auf einmal machen, das Tempo erhöhen, mehr Verantwortung übernehmen. So wie vor der Depression eben.
Und was passiert? Es strengt mich zunehmend an, arbeiten zu gehen. Abends bin ich erschöpft und falle auf die Couch. Weil ich alles zack-zack-zack angegangen bin. Zu viel gleichzeitig erledigt habe und einen Teil von meinen Kollegen gleich mit. 

Wann mir das aufgefallen ist? Gestern Abend als ich beim Tätowierer saß und eine Stunde stillsitzen musste. Kein Smartphone, kein Fernseher, keine Ablenkung. Nur das leise Surren der Nadel und das leichte Kratzen auf der Haut – eine „Zwangspause“. Also erst ein paar Tage, nachdem das alte Muster wieder zu greifen begann.

Heute mache ich wieder langsamer. Der Vertrag geht dann eben erst morgen raus, die Büromaterialbestellung auch. Dafür macht sich die termingebundene Stellungnahme heute auf den Weg. Ich habe mir bewusst wieder Prioritäten gesetzt und nur ein Projekt nach dem anderen auf dem Tisch. Ich habe meine veränderte – für mich gesündere - Arbeitsweise wieder im Fokus.

Ja, ich freue mich, dass ich die Kurve recht schnell wieder bekommen habe, nachdem mir aufgefallen ist, dass ich zurück gerutscht bin. Früher hätte das sicher länger gedauert. Aber natürlich ärgert es mich, dass ich wieder in die gleiche Falle getappt bin wie schon so oft. Und da haben wir das nächste Muster: Eher den eigenen Fehler sehen als den Effekt, rechtzeitig einen Erfolg errungen zu haben. Werde ich sie jemals alle in den Griff bekommen? Ich weiß es nicht. Aber versuchen werde ich es trotzdem. 

Alles Liebe
Anni

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