Freitag, 12. Mai 2017

Bestandsaufnahme

Schon lange habe ich mir vorgenommen, wieder einen Beitrag zu schreiben. Und doch schaffe ich es irgendwie nur schwer, passende Worte zu finden.  

Also erstmal zu den Fakten:
Vor gut zwei Wochen war ich routinemäßig bei meinem Psychiater. Wir haben darüber gesprochen, was ich alles gegen die Depression tue, wie meine Therapie läuft und wie es mir geht. Was der Knackpunkt war. Meine Stimmung ist einfach alles andere als stabil. Und dazu kommt diese ständige Erschöpfung. Das strengt mich wahnsinnig an und laugt mich zusätzlich aus.
Wir haben daher beschlossen, die Dosierung meines AD hochzusetzen – ich nehme nun 150 mg Venlafaxin. Dazu hat er mich ein paar Tage krankgeschrieben, damit ich mich etwas erholen kann. 
Bisher warte ich noch darauf, dass mein Körper auf die höhere Dosierung anspricht. Ich hoffe, dass es bald soweit ist.

Seit Montag gehe ich nun wieder ins Büro. Mal klappt es besser, mal weniger gut. Am meisten macht mir dabei zu schaffen, dass ich mich einfach nicht über längere Zeit konzentrieren kann. Mit allem, was über Routine hinausgeht, komme ich nicht gut zurecht. Und abends bin ich extrem müdeund kaum noch aufnahmefähig, wenn ich nach Hause komme.
Aber ich versuche, mir deswegen keinen Druck zu machen. Ich nehme zwischendurch meine Auszeiten und verbringe meine Stunde Mittagspause im Freien. Ich mache pünktlich Feierabend. Mein Chef weiß, wie es mir geht und nimmt glücklicherweise entsprechend Rücksicht.

Von einem lebenswerten Leben, wie ich es die letzten Monate zwischendurch immer wieder auch über längere Phasen spüren konnte, bin ich gerade jedoch sehr weit weg. Die Lebensfreude scheint einfach verpufft zu sein. In kurzen Momenten leuchtet so etwas wie Freude auf – aber der Effekt hält nicht lange an.
Und ja, ich habe mich nach diesem Rückschlag gefragt, wofür ich eigentlich kämpfe, wenn es mich doch immer wieder erwischt. Ich nehme seit über zwei Jahren Antidepressiva. Ich war sechs Wochen in einer psychosomatischen Klinik. Ich gehe seit über einem Jahr zur Therapie. Ich mache Yoga und habe angefangen, Sport zu machen. Bin viel an der frischen Luft. Achte auf ausreichend Pausen. Treffe mich mit Freunden. Setze mich mit mir auseinander und bekämpfe alte Gedankenmuster. Tue Dinge, die mir gut tun und entdecke mein altes Ich wieder. Das alles ist nicht immer leicht und macht oft keinen Spaß. Aber ich tue es, weil ich aus dieser Krankheit heraus will.
Und ja, ich werde auch mit all dem weiter machen. Auch wenn ich zwischendurch zweifle und hinterfrage. Weil es keinen anderen Weg aus der Depression heraus gibt.

Alles Liebe
Anni



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