Freitag, 3. Februar 2017

Heilung ist individuell

Ich habe heute verschiedene Blogbeiträge von Erkrankten über ihren Umgang mit psychischen Erkrankungen gelesen. Die Beiträge waren so unterschiedlich wie die Verfasser – jeder hat seinen eigenen Weg im Umgang mit den Symptomen. Und das ist auch gut so. 

Warum? Weil unsere Krankheiten so verschieden sind wie wir Menschen, die wir sie haben – und damit unterscheiden sich auch die Dinge, die uns helfen können. Was am besten ist, muss jeder für sich herausfinden. 
Das kann mit Hilfe von Ärzten, Therapeuten, Gesprächen mit anderen Patienten, Freunden oder auch durch Recherchen im Internet oder das Lesen von Büchern geschehen. Aber vor allem muss es – meiner Erfahrung nach – in uns selbst passieren. 

Denn nur ich kann spüren, was mir gut tut. Ich muss mich auf die Dinge einlassen können, die mir helfen sollen. Nur weil die Klinik, in der ich war, Ergotherapie für sinnvoll hält, heißt das nicht, dass sie es für mich auch ist (und in diesem Fall war sie es tatsächlich nicht).
Mir hat dagegen z. B. die Musiktherapie sehr viele hilfreiche Erkenntnisse gebracht – andere Patienten haben sie bereits während ihres Aufenthalts abgebrochen.

Ich habe das Glück, eine Therapeutin zu haben, die mich nicht nach Schema F behandelt, sondern die sich mit mir auf die Dinge konzentriert, die für mich funktionieren.
Aber auch als Therapeutin kann sie mir nur Denkanstöße geben, versuchen, mich in eine Richtung zu lenken. Ob mir etwas tatsächlich hilft, muss ich für mich ausprobieren und bewerten. 

Mir hilft es zum Beispiel unter anderem, mich mit meinem Äußeren zu beschäftigen. Dass ich mich in meiner Art zu kleiden und mich zurecht zu machen selbst eingeschränkt habe, war eine Folge von Hänseleien in Kindheit und Jugend (heute würde man das wahrscheinlich Mobbing nennen). Es mag oberflächlich erscheinen, aber roter Nagellack, ein Blouson mit Leo-Muster oder ein neues Tattoo helfen mir dabei, meinen Selbstwert zu erkennen und zu stärken, mich von alten Mustern zu lösen. 

Lasst euch von keinem einreden, dass euch etwas helfen muss. Das muss es nicht. Für den einen ist der Gang in die Klinik das richtige, für den anderen nicht. Und auch die Art der Klinik, der Therapien, ob wir Medikamente nehmen oder nicht – das alles kann nur funktionieren, wenn es zu uns passt. Dieses Ausprobieren kann sehr mühsam sein. Aber es ist und bleibt der einzig wirklich richtige Weg.

Und bitte vergesst nicht: Wenn euch etwas nicht hilft, nicht gut tut – sagt es. Ich weiß, dass das schwer ist. Aber: Tut es für euch. Alles andere wird auf Dauer nicht helfen.  

Alles Liebe
Anni

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