Montag, 6. Februar 2017

Alte Muster

Alte Gedankenmuster. Sie können einfach so wahnsinnig lästig sein.

Wer meinen Blog regelmäßiger verfolgt, hat sicherlich schon gelesen, dass meine Kindheit und Jugend von Hänseleien, Ausgrenzung und Einsamkeit geprägt waren. Zu dieser Zeit habe ich mir angewöhnt, fehlende Zuwendung durch Essen zu kompensieren. Essen hat mich getröstet, Essen hat die Leere in mir gefüllt. Schokolade, Chips, Gummibärchen – immer weiter essen, so lange, bis die Tüte leer war.

Dieses Muster hat sich dermaßen eingebrannt, dass ich es auch heute noch immer noch verfolge. Wenn ich mich ungeliebt, alleine oder traurig fühle, verspüre ich Appetit. Auf Fett und Zucker. 
Sobald wir zu Hause etwas passendes in unserem Vorratsschrank haben, quengeln meine Gedanken so lange, bis ich aufstehe und mir das Zeug geholt habe. Und es ist erst genug, wenn die Packung leer ist. Außer, mein Mann nimmt mir die Sachen vorher weg. 
(Und ja, er kauft schon kaum noch etwas ein. Aber irgendwas ist halt trotzdem immer da. Und nein, Obst oder Gemüse funktionieren leider nicht.)

Ich hasse es, mich dann nicht unter Kontrolle zu haben; ich bereue es schon während des Essens, sinnlos Dinge in mich hineingestopft zu haben. Es nervt mich, dass ich das Muster zwar erkennen, aber nicht durchbrechen kann.
Aber was mich noch viel mehr stört: Dieses Gefühl des Ungeliebt-Seins. Es will einfach nicht weggehen. Obwohl ich weiß, dass es Menschen gibt, die mich mögen. Die gerne Zeit mit mir verbringen. Wieso nur kommt das nicht an bei mir? Wieso gaukelt mir mein Kopf noch immer vor, das wäre alles nur Schein, die Menschen tun nur so und ich verdiene das alles gar nicht wirklich? Selbst mir ist inzwischen klar, dass sich nicht alle Menschen in meinem Umfeld in mir täuschen können. Irgendwas muss da sein, dass mich liebenswert macht. Aber ich lasse mich davon nicht überzeugen. Ich habe einfach zu lange, zu oft das Gegenteil zu spüren bekommen.

Und dann esse ich wieder. Tröste mich. Wegen eines Problems, das gar nicht mehr da ist. Das ich aber (noch?) nicht loslassen kann.

Alles Liebe
Anni

Kommentare:

  1. Liebe Anni,
    das kommt mir total bekannt vor. Bei uns wurde früher über das Essen wenigstens ein bisschen Liebe verteilt. Meine Mama hat für uns beide tolle Leckereien zum Kaffee geholt - fast jeden Tag. Anders konnte sie es nicht ausdrücken. Ich fresse heute Zucker und Fett in mich, wenn ich gar nicht weiter weiß. Selbst wenn mir dann hinterher der Bauch wehtut. Alte Muster lassen sich nur langsam verändern. Meine Therapeutin meinte gerade letzte Sitzung noch ich muss immer wieder üben meine Gedanken in die positive Richtung zu lenken, damit es auch bei den Gefühlen ankommt. Schwierige Sache.

    Grüße von Annie

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    1. Liebe Annie,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Sich von solchen alten Mustern zu lösen ist leider wirklich alles andere als einfach und man braucht eine Menge Geduld ... Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du bald deinen Weg findest, mit all dem umzugehen.
      Alles Liebe
      Anni

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