Donnerstag, 26. Januar 2017

Grau vs. bunt

Seit ich depressiv bin, ist meine Welt irgendwie grau geworden. Die Dinge, die Farbe in mein Leben gebracht hatten, sind alle mehr und mehr verblasst, bis auch sie in dieser grauen Masse verschwunden sind. 
Natürlich waren manche Tage heller als andere – aber grau bleibt nun mal grau. Trist, trostlos, leer.

Seit einiger Zeit kommen die Farben zurück in mein Leben.
Ich empfinde wieder Freude, Neugier und Dankbarkeit. Musik schafft es wieder, dass ich eine Gänsehaut bekomme. Bücher und Filme können mich wieder fesseln. Ich spüre wieder dieses schöne warme Gefühl, wenn ich mit den richtigen Menschen zusammen bin. Ich finde es sogar toll, Wut zu spüren oder weinen zu können. Ich habe Spaß an Kreativität und Bewegung.  

Und auch ich selbst bin mit der Zeit grau geworden. Ich sah nur noch ordentlich aus, um die Fassade aufrecht zu halten. Anziehen machte keinen Spaß mehr, Schminken wurde zur Pflicht – alles für die Maske. Inzwischen spüre ich, dass auch in mich die Farbe zurück kommt. Ich genieße es wieder, mir schöne Sachen zu kaufen, mich anzuziehen, mir die Haare zu machen, mich zu schminken.

Manchmal überwältigt mich diese Farbenpracht. Ich habe mich so sehr an diese endlosen grauen Tage gewöhnt, dass mir das bunt manchmal fast unwirklich erscheint. Wie eine Illusion.
Aber zu oft sind da noch diese Tage, an denen das grau mächtig genug ist, die Farben zu verwischen. Tage, an denen das Fehlen von Farbe fast körperlich schmerzt.

Ich weiß, dass ich noch Geduld brauche, bis die bunten Tage die grauen überwiegen. Dass ich dafür arbeiten muss, auch wenn es an manchen Tagen so viel leichter wäre, mich dem grau zu überlassen. Aber ich will nicht mehr grau sein. Ich will ein Leben voller Regenbögen und Konfetti. Innen und außen.

Alles Liebe
Anni

1 Kommentar:

  1. So fühle ich mich gerade: grau - alles ist grau bis dunkelschwarz. Und ich wünsche mir die bunten Tupfer, die mir raus helfen. Ich habe erst seit kurzem Depressionen, schlimme Depressionen und kann so gar nicht damit umgehen. Auf der einen Seite will ich raus, mir Hilfe holen, auf der anderen Seite habe ich Angst. Große Angst vor dem, was auf mich zu kommt. Und so bleibe ich (noch) sitzen, weil mir die Kraft fehlt, loszugehen...

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