Mittwoch, 14. September 2016

Mein Selbstbild und ich

Zurzeit beschäftigen sich meine Gedanken wieder sehr intensiv mit meinem Selbstbild – vor allem, mit dem Bild, dass ich von meinem äußeren habe.
Obwohl ich in den letzten Monaten schon mutiger geworden bin, bin ich tief in mir drin doch noch immer verunsichert.

Ich war nie wirklich schlank. Meine Oberschenkel sind sehr kräftig. Meine Oberweite hat sich recht früh recht schnell entwickelt. Beides Dinge, die immer wieder eine Angriffsfläche boten. Für meine Großeltern, für meine Mitschüler. Für meine Mutter war ich das hübscheste Mädchen der Welt, doch ihre Aussagen standen in so krassem Gegensatz zu meinem eigenen Empfinden und waren so überzogen, dass sie mir keinen Mut machten, mich nicht stärkten sondern mich eher noch unter Druck setzten. Weil ich dem genügen wollte und doch nicht konnte. Als Teenie trug ich gerne schwarz. Ich wollte verschwinden, unsichtbar sein, keine Ansatzpunkte bieten. Und doch stach ich in den bunten 90er Jahren auch so heraus. 

Seit dem trage ich dieses Bild mit mir herum – fett und hässlich. Es hat sich tief in meine Seele gebrannt. Zeitweise konnte ich es nicht ertragen, mich auf Fotos zu sehen. Ich ekelte mich vor mir selbst. Das führte sogar so weit, dass ich meiner Schwägerin verbot, auf meiner Hochzeit eine Präsentation mit Kinderfotos von mir zu zeigen. Und noch immer tue ich mich schwer mit Bildern von mir. Es kommt wirklich selten vor, dass ich eins mag. 

Ich trage in der Regel eine Kleidergröße 44 – je nach Schnitt auch mal 42 oder 46. Von diesen Zahlen konnte ich mich irgendwann lösen. Es gibt für mich nur noch – passt oder passt nicht. 
Mein Problem ist noch immer mein Spiegelbild. Die große Oberweite, die nicht zu meinen recht schmalen Schultern passen will; die Oberschenkel, die meine Silhouette zerstören; der Bauch, der sich unter dem Kleid abzeichnet. An manchen Tagen ziehe ich mich morgens noch einmal komplett um. Eine falsche Bemerkung von meinem Mann, einem Kollegen und schon würde ich mir am liebsten einen Sack über den Kopf stülpen. Ein trügerisches, unvorteilhaftes Spiegelbild in einem Schaufenster und ich ziehe Kleidungsstücke nie wieder an.

Ich weiß, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Ich weiß, dass mein Mann mit attraktiv findet. Ich weiß, dass meine Freundinnen die Komplimente mir gegenüber ehrlich meinen. Ich weiß, dass die Ideale, die die Gesellschaft und die Medien uns vorgeben, Makulatur sind. Und doch kann ich mich nicht davon befreien, dass ICH mich nicht schön finde, nicht mal hübsch. Egal, was ich anziehe. Egal, wie ich mich schminke. Egal, wie meine Haare aussehen. Egal, ob mit Brille oder ohne. Ich fühle mich nicht wohl mit mir, tief in mir drin. Und ich weiß auch, dass das auch mit 10, 20 oder sogar 30 Kilo weniger nicht anders wäre. Mein Selbstbild wurde zu lange vergiftet. Das Gegengift suche ich aktuell noch.  

Alles Liebe
Anni

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