Freitag, 9. September 2016

Absturz

Heute ist es soweit, der Absturz ist da. Mein Kopf fühlt sich an als wäre er voller Watte. Ich kann mich nicht konzentrieren, kann nicht denken. Es ist später Vormittag. Mein Arbeitstag endet um 16:35 Uhr, wenn ich in Richtung Therapie aufbreche. 
Davor liegt eine Mittagspause von einer Stunde. Die ich in der Regel mit einer Kollegin verbringe. Und so gern ich sie habe – heute wäre es mir am liebsten, sie würde mich versetzen. Und eine Übergabe-Besprechung mit meinem Chef, der für 2 Wochen in Urlaub geht.
Alles kostet mich Kraft. Ich sehne mich nach meiner Couch, meiner Kuscheldecke, einer Umarmung von meinem Mann. Ich will mich verkriechen, die Welt ausblenden. Schlafen. An die Decke starren. In Tränen ausbrechen. Schreien. Alles, nur nicht im Büro sitzen müssen und so tun als sei alles gut. Denn das ist es nicht. Mal wieder.
Ich kratze mich. Im Büro. Während alle Kollegen da sind. Das kann ich nicht auch noch zurückhalten. Ich sitze an meinem Schreibtisch und tippe diese Zeilen. Es muss raus, irgendwie. Zwischendurch unterhalte ich mich mit meinem Chef über Kaffeekapseln und fehlende Rechnungen. Es fühlt sich so unwirklich an. Dieser Spagat zwischen der Normalität im außen und der Depression im Innen.
Nach jedem Gespräch, und sei es noch so kurz, ist die Luft raus. Meine Dämonen hängen mir im Genick und brüllen mir „Du schaffst das nicht! Du schaffst das nicht! Heul doch!“ ins Ohr. Ich atme. Ein Atemzug nach dem nächsten. Meine rechtes Bein wippt unkontrolliert auf und ab. Es will nicht stillhalten.
Verzweifelt versuche ich, mich hinter meiner Assistentinnen-Maske zu verstecken. Professionell bleiben. Und doch habe ich Angst, dass mir jemand etwas anmerken könnte. Dass sie den Kampf in mir drin erkennen, die Dunkelheit, die mal wieder alles überzogen hat. Das Blei, das mich lähmt. Die an mir zerrenden Dämonen.
Mein Kopf scheint zu platzen. Leere, die implodiert. Nach außen hört es keiner. In mir drin ohrenbetäubender Lärm. Nichts greifbares und doch alles zu viel.
Weiteratmen. Ein. Aus. Ein. Aus.


Alles Liebe 
Anni 

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