Mittwoch, 10. August 2016

Stress lass nach

Ich habe vorhin im Büro in einem Newsletter Strategien gegen Stress gelesen:

-       Ausreichend Schlaf
-       Gesunde Ernährung
-       Sport
-       Entspannung

Vielleicht sehe ich es aus der Sicht einer Depressiven etwas anders und „gesunden“ Arbeitnehmern reicht das aus, um Stress abzubauen.

Aber was, wenn ich Schlafstörungen habe? Wenn außerhalb des Jobs kaum Zeit für Sport bleibt? Und das autogene Training nicht mehr ausreicht, um abends runterzukommen? Wenn da noch Kinder, Haushalt, Freunde sind, die ihre Ansprüche erheben?
Es mag ein Schritt in die richtige Richtung sein, mir bewusst zu machen, dass ich mich neben dem Job auch um mich kümmern muss. Und dass ich mir dafür Zeit nehmen sollte. Und zwar, bevor der Stress sich zu mehr auswächst. 

Ich habe meine Work-Life-Balance, wie man das heutzutage ja so schön nennt, vernachlässigt. Der Job und eine berufsbegleitende Fortbildung haben mich 2 Jahre lang fast aufgefressen. Gesunde Ernährung, Schlaf und Yoga haben mir nicht gereicht, um das Auslösen einer Depression durch chronischen Stress zu verhindern. Der Schaden war angerichtet.

Auch wenn unsere Gesellschaft immer wieder davon spricht, Privatleben und Beruf in Einklang zu bringen, besteht sie doch noch immer darauf, dass wir alle unsere Leistung bringen müssen. Wer keine Überstunden macht, im Urlaub seine E-Mails nicht checkt und sich nicht ständig in seiner Freizeit durch Seminare oder das Lesen von Fachliteratur auf dem Laufenden hält, ist raus und gilt als faul und unflexibel. Wir sind nur etwas „wert“, wenn wir unser Soll übererfüllen. Dass ein Teil der Menschen an diesen Anforderungen zerbricht, spielt noch immer keine Rolle. Noch kommt immer jemand nach, der sich ausnutzen lässt.

In diesem Spannungsfeld ist es schwierig, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Sich Auszeiten für sich selbst zu nehmen. Für den Chef mal nicht erreichbar sein, die Fertigstellung eines Auftrags auf den nächsten Tag zu verschieben und sich stattdessen mit der besten Freundin auf einen Kaffee zu treffen. Und doch ist es lebensnotwendig.

Passt auf euch auf. Findet eure eigenen Stressbewältigungsstrategien. Ob es nun Stricken, Zumba, Computerspiele, die Runde mit dem Hund oder Briefmarken sammeln ist. Schafft euch einen Ausgleich und pflegt ihn, wann immer ihr könnt – auch, und vor allem, wenn ihr mal keine Lust darauf habt. Das ist leider oft der Einstieg, den Ausgleich schleichend ganz sein zu lassen. Und holt euch Hilfe, wenn ihr merkt, dass euch überhaupt nichts mehr dabei hilft runterzukommen oder ihr euch zu nichts mehr aufraffen könnt. 

Alles Liebe
Anni

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