Mittwoch, 29. Juni 2016

Zurück in den Sumpf

Letzte Woche hatte ich eine richtig gute Woche. Es ging mir gut, ich war selbstbewusst, entspannt, zuversichtlich. Ich habe mir endlich das gewünschte Tattoo machen lassen und war stolz darauf, mich das endlich getraut zu haben – egal, was andere davon halten würden. Ich habe gespürt, dass ich die Depression besiegen kann, dass sie nicht zwingend für immer den größten Teile meines Lebens einnehmen muss.

Meine Therapeutin erzählt mir immer wieder, eine Depression sei wie ein Sumpfgebiet. Es gibt Stellen, die sind trocken und fest und wenn man sich dort aufhält, ist alles gut. Und es gibt feuchte Stellen, in denen man versinken kann. Wenn man die betritt, zieht einen die Depression nach unten, immer tiefer und tiefer.

Letzte Woche war ich auf einem sehr trockenen Fleck. Konnte die Aussicht und die Sonne genießen, durchatmen.  
Und dann bin ich wieder in einer Pfütze gelandet. Die Sorge um meinen Papa hat mich zurück in den Morast gezogen und hält mich dort fest. Und auch wenn ich inzwischen weiß, dass er wieder gesund wird und alles gut ausgeht, kann ich mich noch nicht aus dem Sumpf befreien. Die Depression hat sich mit meinen Verlustängsten zusammengetan und beide ziehen und zerren an mir. Die Gegenwehr kostet mich eine immense Kraft. Ich will nicht wieder nach unten. Ich will zurück auf festen Boden, mich sicher fühlen. 

Und so wate ich weiter, mit der Angst im Nacken und dem Rand im Blick. Ich hoffe, ich erreiche ein trockenes Fleckchen, bevor mich der Schlamm verschluckt.

Alles Liebe 
Anni 


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