Donnerstag, 11. Februar 2016

Donnerstags-Gedanken


Bald jährt sich der Tag meiner Diagnose „Depression“ zum ersten Mal. Doch die Symptome meiner Krankheit begleiten mich schon viel länger. Unmerklich haben Stress, eine schwierige Vergangenheit und ungute Gewohnheiten mich in einem Strudel nach unten gezogen. 

Ich habe es geschafft, meinen Kopf aus dem Strudel herauszustrecken und um Hilfe zu rufen. Habe meine Hand ausgestreckt und Hilfe bekommen. Zögerlich zwar, aber die Hilfe war da. Und das ist sie immer noch. Hilfe von meinem Mann, meiner Familie, Freundinnen und letztendlich auch von meiner Hausärztin. Ihr verständnisvoller Umgang mit mir hat mir den Mut gegeben, weitere Hilfe anzunehmen.

Inzwischen nehme ich Antidepressiva, war 6 Wochen in einer Klinik, habe einen guten Psychiater und eine Therapeutin, die zu mir passt. Ich habe mich in Büchern und im Internet über meine Krankheit informiert und mir Wege zur ergänzenden Selbsthilfe gesucht. Ich bin ein gutes Stück im Strudel nach oben geschwommen. Ich schaffe es, jeden Tag aufzustehen, mich ordentlich fertigzumachen und zur Arbeit zu gehen. Ich stemme meinen Haushalt soweit, dass ich mich wohl damit fühle. Ich treffe mich mit meinen Freunden, meiner Familie, besorge Geburtstagsgeschenke, bringe mein Auto zum TÜV, gehe ins Yoga …. So vieles, was ich in meinen schlechtesten Zeiten nicht mehr geschafft habe; in denen manchmal das abendliche Zähneputzen zur größten Herausforderung wurde.

Ich sehe, dass es mir besser geht. Ich sehe, dass ich nicht mehr da bin, wo ich angefangen habe. Aber im Moment geht es mir nicht schnell genug. Immer noch so viele schlechte Tage, so viele dunkle Gedanken, so viel leere Gefühle. Meine Geduld mit mir selber ist aufgebraucht. Die Geduld, die ich mit anderen habe, greift bei mir selbst nicht. Mein Leben lang haben die äußeren Umstände und auch ich selbst mich dazu erzogen, mit anderen nachsichtig zu sein und mir selbst gegenüber nicht. Ich habe zu funktionieren, schnell, unkompliziert, ohne Theater oder Widerworte. Nur keine Angriffsfläche bieten.

Diese über Jahrzehnte eingeschliffenen Denk- und Verhaltensweisen muss ich ändern. Und mein Kopf weiß auch, dass ich dafür Zeit brauche. Aber gleichzeitig will er in die bequemen alten Muster zurückfallen, weil diese Veränderungen eben nicht über Nacht passieren. Und so kämpfe ich gegen mich selbst, kämpfe dafür, mich nicht selbst im Strudel wieder nach unten zu ziehen, wo ich doch eigentlich nur nach oben will.

Alles Liebe
Anni

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