Freitag, 22. Januar 2016

Zurück auf Start


Heute ist es mal wieder soweit – nach zwei extrem anstrengenden Wochen geht mir die Luft aus.

Ich sitze im Büro und sollte eigentlich ein Konzept überarbeiten. Aber ich kann es nicht. Diese Aufgabe, die eigentlich ein Leichtes für mich wäre, stellt mich vor eine nicht zu bewältigende Herausforderung. Jedes Telefonklingeln stürzt mich in Angst, eine neue Aufgabe zu bekommen, die ich nicht lösen kann. Jede E-Mail löst den innerlichen Katastrophenmodus aus.

So hilflos habe ich mich seit meinem Klinikaufenthalt im September nicht mehr gefühlt. Seit dem war ich durchgehend im Büro und habe – wenn auch langsamer wie sonst – alles angepackt und erledigt. Und nun wieder das. Die absolute Leere im Kopf, die Hilflosigkeit, dieses Unvermögen.

Es ist meine Quittung. Meine Quittung dafür, dass ich dachte, ich wäre einen guten Schritt weiter gekommen. Ich bin es nicht. Ich habe es nicht geschafft, mich rechtzeitig einzubremsen und rechtzeitig aktiv etwas für mich zu tun. Zu schnell und intensiv bin ich in meine alten Muster gerutscht. Habe aus Erschöpfung auf die Dinge verzichtet, die gut für mich sind. Die mich ausgleichen können.

Ich ärgere mich nicht über diesen Rückfall. Ich bin sauer auf mich selbst, weil ich es hätte besser wissen müssen. Mein innerer Kritiker triumphiert. Er hat gewusst, dass mir das passieren wird. Dass mich der kleine Silberstreif am Horizont zu einer Geschwindigkeit angehalten hat, die ich nicht durchhalten kann. Nur, weil ich mir selbst beweisen wollte, dass ich stärker geworden bin. Ich habe nicht auf die kleinen Anzeichen in den letzten Tagen geachtet. Wollte sie nicht sehen.

Nun habe ich noch drei Stunden bis zum Feierabend und keine Chance, früher nach Hause zu gehen. Dieser Zeitraum erstreckt sich wie eine endlose Wüste vor mir und ich weiß nicht, wie ich sie durchqueren soll. Und dazu noch die Angst, dass mir hier jemand etwas anmerkt. Ich will mich nicht erklären müssen, nicht die Tränen wegblinzeln oder meine Verzweiflung zeigen. Am liebsten möchte ich in mein Bett, mir die Decke über den Kopf ziehen und schlafen – so lange bis die Depression weg ist und mir mich selbst wieder zurückgibt.

Alles Liebe
Anni

Sonntag, 10. Januar 2016

Anstrengend ...

Hinter mir liegt eine anstrengende Woche. Ich hatte vier Erstgespräche mit Therapeuten (eine Luxussituation eigentlich). Aber vier Mal hintereinander über meine Probleme zu sprechen war hart für mich.

Vier Mal darüber sprechen, was in meinem Leben alles schief gelaufen ist. Über Zeiten, in denen mein Zuhause kein Zuhause war. In denen Geborgenheit für mich ein Fremdwort war. In denen jede Kleinigkeit einen Sturm auslösen konnte. In denen ich mich versteckt, klein gemacht und mich dabei verloren habe.
Ich habe gemerkt, wie viel Schmerz über meine Vergangenheit immer noch in mir steckt. Dass das Kind in mir sich immer noch davor fürchtet, beschimpft, vernachlässigt und verlassen zu werden. Dass es Menschen immer noch ungern in sein Herz lässt, weil es sich vor weiteren schlechten Erfahrungen schützen möchte. Und dass es jeden Konflikt scheut, weil es gelernt hat, Stürmen lieber aus dem Weg zu gehen als ihnen zu trotzen. Und sich dabei durch nur nach Anerkennung, Stabilität und Liebe sehnt.

Ich spüre, dass der Weg in die Therapie der richtige für mich ist. Auch wenn es weh tun wird. Aber ich muss das alles aufarbeiten, um eine Chance auf eine friedlichere Zukunft zu haben. Und danach sehne ich mich. Eine Zeit im Leben, geprägt von Stabilität und innerem Frieden.

Alles Liebe
Anni


Samstag, 2. Januar 2016

Grau in grau

Mmh ... dann denkt man sich, Schreiben hilft ja meistens, wenn's einem nicht gut geht. Und dann ... sitzt man vor diesem leeren Fenster, starrt auf den Bildschirm und findet keine Worte für das, was in einem vorgeht.

Keine Worte, die diese Leere in mir beschreiben können, damit andere sie verstehen. Diese bleierne Schwere der Gedanken, der Gefühle - sogar der Bewegungen. Alles fühlt sich mühsam an, sinnlos und schwer. Zäh.

Wenn dieser Zustand eine Farbe hätte, wäre er grau. Nichtssagend, undefinierbar, die Abwesenheit von allen anderen Farben.

Und so sitze ich nun den ganzen Tag auf meiner Couch und hülle mich in zähes Grau. Komme mal wieder nicht durch diesen Nebel, der mich umgibt. Nichts dringt zu mir durch. Wie in einem Kokon.

Bleibt die Hoffnung, dass morgen wieder ein wenig Sonne in meine graue Welt scheint und Licht und Farbe zurückbringt.

Alles Liebe
Anni