Dienstag, 8. Dezember 2015

Schatten der Vergangenheit


Vieles, was zu meiner Depression beigetragen hat, liegt in meiner Kindheit und Jugend verborgen. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen – aber meine Mutter war kein einfacher Mensch und hat mit ihrem Verhalten viel in mir kaputt gemacht. Hat bei mir Verhaltensmuster geschaffen, an denen ich heute noch festhalte. Und die zum Teil nicht gut für mich sind.

Da meine Mutter schon vor 20 Jahren gestorben ist, kann ich diese Zeit mit ihr nicht mehr aufarbeiten. Früher wollte ich ihr so vieles vorwerfen. Ihre Fehler. Doch inzwischen frage ich mich vor allem, was sie zu dem Menschen hat werden lassen, der sie war? Was hat sie in die Sucht getrieben? Hätte ihr jemand helfen können?´

Bis zu meinem Klinikaufenthalt diesen Sommer habe ich mir die Schuld gegeben. Habe mich dafür verantwortlich gefühlt, dass sie diesen Weg gegangen ist. Doch inzwischen weiß ich, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe. Ich war ein Kind – ich hätte ihr nicht helfen können. Das hätte sie nur selbst gekonnt.

Seit dem die Psychologin in der Klinik diesen Knoten mit mir zusammen gelöst hat, geht es mir besser. Ich denke nicht mehr nur mit Schmerz an meine Vergangenheit und habe meiner Mutter vergeben.
Und doch sind da immer wieder Tage, die mich zurückholen – zurück in das Leid dieser Zeit. Ein Lied, eine Szene in einem Film oder einem Buch und ich kann sie fast vor mir sehen, ihre Stimme hören. Sehe Erlebnisse vor mir als wären sie erst gestern passiert. Und fühle tief in mir den Wunsch, das alles einfach nur vergessen zu können. Zu den Menschen zu gehören, die eine schöne Kindheit hatten. Mit Müttern, die sie unterstützt und stark gemacht haben und nicht klein geredet, überfordert und innerlich verwundet haben.


Aber ich weiß auch, dass das nicht geht. Dass meine Vergangenheit zu meinem Leben gehört und auch gute Eigenschaften in mir hervorgebracht hat. An guten Tagen kann ich mich auf das Positive fokussieren. An schlechten Tagen tun die Gedanken einfach nur weh.

Passt auf euch auf – alles Liebe

Anni

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen