Donnerstag, 17. Dezember 2015

Echos

Ich kämpfe seit gestern wieder gegen die Schatten aus meiner Vergangenheit. Grund dafür ist, dass es an Weihnachten Tradition ist, meine Großeltern zu besuchen - die Eltern meiner Mutter.
Und ich habe euch ja schon erzählt, dass meine Mutter viel in mir ausgelöst hat, was mich in die Depression geführt hat.

Doch inzwischen frage ich mich, ob nicht meine Mutter in ihrer eigenen Gefühllosigkeit ein "Opfer" meiner Großeltern war? Ich will nicht sagen, dass meine Großeltern herzlose Menschen sind. Aber sie zeigen ihre Gefühle nicht, zumindest nicht die guten. Sie ließen mich aber immer spüren, dass ich nicht ihren Erwartungen entspreche. Schon als Kind. Ich war ängstlich, schüchtern, ein Bücherwurm und kein Sportler. Damit konnten sie nichts anfangen. Mein Bruder und meine zwei Cousinen dagegen wurden immer gelobt und mir als Beispiel vorgehalten. Ich habe mich von ihnen nie geliebt, ja noch nicht einmal respektiert gefühlt.
Was, wenn es meiner Mutter auch so ging und sie das, was sie von meinen Großeltern erfahren hat, einfach nur an mich weitergegeben hat? Nicht, dass das meine Vergangenheit ändern würde, aber vielleicht meinen Blickwinkel darauf. Mein Verständnis für den Lauf der Dinge.
Und doch werde ich auch diese Frage mit meiner Mutter nicht mehr klären können. Und das Verhältnis zu meinen Großaltern ist so schlecht, dass ich die beiden alten Leutchen nicht darauf ansprechen kann. Das übersteigt meine momentanen Kräfte.
Also werde ich den Anstandsbesuch an Heiligabend irgendwie über mich ergehen lassen. Wenigstens wird mein Mann dabei sein. Ein Trost.

Ich finde es immer wieder krass, wie sehr uns unsere Vergangenheit verfolgen kann. Wie sehr wir auf die Anerkennung von anderen Menschen angewiesen sind und wie sehr uns Zurückweisung dauerhaft zerstören kann. Wie man selbst mit über 30 noch an sich zweifelt, an dem Menschen der man ist, weil man früher dem Idealbild seiner Familie nicht entsprochen hat. Wie ich auch heute noch nach Perfektion strebe, weil ich mir Anerkennung, Respekt und Zuneigung wünsche.

Das Leid meiner Kindheit hallt in mir nach. An manchen Tagen ganz leise, so dass ich es ignorieren kann. Und an manchen Tagen ganz laut - zu laut, um ihm aus dem Weg zu gehen.

Alles Liebe
Anni


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