Samstag, 3. Oktober 2015

Von guten und schlechten Tagen

Wenn du Depressionen hast, gibt es gute und weniger gute Tage. Tage voller Energie, an denen sich das Leben fast so anfühlt als seist du nicht krank. Und andere Tage, an denen du dir wieder deutlich bewusst wirst, dass du doch immer noch krank bist.

Heute haben ich einen dieser wenigen guten Tage. Ich bin unruhig, unzufrieden, grundlos traurig, kann nichts mit mir anfangen. Vorhin hab ich mich gezwungen, ein bisschen an die Sonne zu gehen. Aber selbst die Bewegung und die frische Luft, die mir sonst so gut tun, konnten heute nichts ausrichten. Also liege ich nun hier auf meiner Couch, hänge im Internet und warte darauf, dass der Tag eine Ende nimmt.

Diese Tage haben wir Depressiven immer wieder. Manchmal, wenn wir Glück haben, ist es zwischendurch nur einer. Aber wenn wir Pech haben, werden aus dem einen Tag zwei ... oder eine ganze Woche ... oder noch länger. Die Krankheit ist unberechenbar. Klar gibt es Dinge, die wir dagegen tun können. Bewegung, ablenken, lesen, putzen, Tagebuch schreiben, basteln - Ablenkung an sich. Jeder muss hier das finden, was bei ihm hilft. Doch auch diese Strategien können an manchen Tagen versagen. So wie bei mir heute. Dann gilt es, sich nicht entmutigen zu lassen. Den Durchhänger nicht überzubewerten. Aber das ist hart. Die Angst vor einer unbestimmten Zahl schlechter Tage ist dann fast übermächtig. Sie hängt wie eine schwarze Wolke über mir.
Und doch scheint irgendwo hinter dieser dunklen Wolke die Sonne, auch wenn ich sie in diesen Momenten nicht sehen kann. Und die Hoffnung, dass sie stärker ist und durch das grau bricht begleitet mich. Um mein rechtes Handgelenk trage ein ein schmales silbernes Armband mit dem Wort HOPE. Es erinnert mich daran, an dieser Hoffnung festzuhalten, auch wenn mein Tag nicht gut läuft. Irgendwann wird es wieder besser, ich muss nur fest daran glauben.

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