Freitag, 2. Oktober 2015

Schwere Zeiten

Nachdem es mir also eine Zeitlang wirklich gar nicht mehr gut ging, machte ich einen Termin bei meiner Hausärztin. Freundinnen hatten auf eine Schilddrüsen-Störung getippt. Doch nach einem großen Blutbild und diversen anderen Untersuchungen stand fest: Ich habe Depressionen. Und habe alleine keine Chance, da wieder rauszukommen. Ich saß meiner Ärztin gegenüber und mir liefen Tränen über's Gesicht. Es war eine Mischung aus Bestürzung, Angst, aber wohl auch einer gewissen Erleichterung. Und irgendwie hatte ich tief in mir schon gespürt, dass mein Zustand keine körperlichen Ursachen hat. Nur wollte ich mir das nicht eingestehen. Nicht zugeben, dass ich nicht mehr stark genug war, um mit meinem Leben klarzukommen. 
Mit einem Kopf voller wirrer Gedanken und einem Rezept für Citalopram verließ ich die Praxis. Rief meinen Mann an. Ging bei meinem Vater vorbei und weinte dort weiter. Ich konnte das alles nicht begreifen, obwohl ich gleichzeitig wusste, dass die Diagnose stimmte. 
Trotzdem war es schwer für mich, mich darauf einzulassen. Eine Depression ist nun mal kein gebrochenes Bein, dass wieder zusammenwächst. Sie greift so grundlegend in das bisherige Leben ein, dass man anfängt, alles infrage zu stellen. Alles anders zu bewerten. Sich noch weiter in sich zurückzieht. Ich hatte hart daran zu kauen. 
Und nicht nur die Diagnose an sich war schwierig für mich - auch die Nebenwirkungen der Tabletten machten mir schwer zu schaffen. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schweißausbrüche ... Ich verbrachte die Tage nach dem Arzttermin ausschließlich auf der Couch oder im Bett. Wollte niemanden sehen, mit niemandem reden. Konnte keinen klaren Gedanken fassen. Hatte keinen Appetit, keinen Antrieb, keine Perspektive. Wie sollte das alles für mich nur weitergehen? Sollte so der Rest meines Lebens aussehen? 

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