Sonntag, 27. Dezember 2015

Zwischen-Jahres-Gedanken

Weihnachten ist überstanden, der Jahreswechsel steht vor der Tür. Für mich schon immer eine Zeit, in der ich über das vergangene Jahr nachdenke. 

2015 war kein leichtes Jahr für mich. Die Diagnose Depression und der plötzliche Tod meiner Stiefmutter haben alles andere überschattet. 

Die Depression hat mir viel abverlangt. Sie hat mein Leben gekapert und es mir aus den Händen genommen. Sie hat mich gezwungen, mich mit mir selbst, meiner Vergangenheit und meinen Gewohnheiten auseinanderzusetzen. Sie hat sich in jeden Bereich meines Lebens eingenistet. Hat mich auf den Boden gedrückt und mich lange dort festgehalten. 
Und doch habe ich es geschafft, wieder aufzustehen. Hin und wieder zwingt die Depression mich immer noch in die Knie. Aber ich habe inzwischen genug Kraft, mich schneller wieder hoch zu kämpfen. Ich habe die Depression als Teil meines Lebens akzeptiert. Das war nicht leicht. Aber sie gehört inzwischen zu mir. Und wollte ich nach der Diagnose noch zurück zu meinem alten Leben und zu meinem alten Ich, weiß ich nun, dass das keinen Sinn hätte. Mein altes Leben hat mich an einen Punkt gebracht, von dem aus ich nicht weiter konnte. Hat mich ausgebremst. Die alte Anni wird es nie mehr geben. Sie hat sich mit sich selbst auseinandergesetzt und weiß, dass sie sich ändern muss. Nicht komplett. Aber in einigen wesentlichen Dingen. 

Die neue Anni wird mehr auf sich acht geben. Sich mehr um sich selbst kümmern. Öfter nein sagen. Mehr Dinge tun, die ihr gut tun. Sich von Menschen und Gewohnheiten trennen, die ihr schaden. Nicht mehr um jeden Preis spitze im Job sein wollen. Dinge langsamer, überlegter und achtsamer angehen. 

Heute habe ich einen wirklich guten Tag. Ich habe ihn genutzt, um mir Ziele für die nächsten Wochen zu setzen. Kleine Ziele wie die Suche nach einem neuen Therapeuten, mehr Bewegung, mir einen Achtsamkeit-Kurs zu suchen. Wenn das geschafft ist, kommen die nächsten Ziele. Nicht zu viel auf einmal und alles in kleinen Schritten. Ich habe den festen Willen, mir ein gutes neues Leben zu basteln, mit dem ich zufrieden bin. Das für mich lebenswert ist. 

2016 soll wieder ein besseres Jahr werden. Für meine ganze Familie und für mich. Und auch wenn meine Gedanken oft anderer Meinung sind, weiß ich, dass ich das auch schaffen kann. 

Alles Liebe
Anni

Montag, 21. Dezember 2015

Verlorene Tage

Wenn ihr selbst depressiv seid oder jemanden mit Depressionen kennt, kennt ihr sie sicher auch - verlorene Tage, an denen man nichts mit sich anfangen kann. An denen man sich leer fühlt, die Motivation fehlt und man irgendwie nichts auf die Reihe bekommt.

Ich hab heute wieder so einen verlorenen Tag. Da mag ich mich dann selbst nicht. Ich bin ungeduldig, nörgelig, schnell gereizt, müde, lustlos, für nichts zu begeistern. Und dabei habe ich ja eigentlich gelernt, wie ich mir selbst etwas Gutes tun kann. Wie ich mich aus so einem kleinen Loch selbst herausziehen kann. Aber an Tagen wie heute schaffe ich selbst diese zum Teil wirklich einfachen kleinen Dinge nicht. Und ärgere mich darüber. Was meine Laune noch schlimmer macht. Ein Teufelskreis, dem ich nicht entkommen kann. So einen Tag kann ich dann eigentlich nur aushalten und hoffen, dass er schnell vorbei geht.

Meistens sind das bei mir wirklich nur einzelne Tage. Morgen ist sicher wieder alles okay. Dann sind meine Energie, meine Kraft wieder da.

Vielleicht sollte ich lernen, mit den verlorenen Tagen meinen Frieden zu machen. Sie einfach anzunehmen, weil sie zu meiner Krankheit dazugehören. Und damit zu mir. Ihnen vielleicht sogar etwas positives abzugewinnen? Na ja, gehen wir es langsam an. Versuchen wir erst mal das Frieden schließen.

Alles Liebe
Anni

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Echos

Ich kämpfe seit gestern wieder gegen die Schatten aus meiner Vergangenheit. Grund dafür ist, dass es an Weihnachten Tradition ist, meine Großeltern zu besuchen - die Eltern meiner Mutter.
Und ich habe euch ja schon erzählt, dass meine Mutter viel in mir ausgelöst hat, was mich in die Depression geführt hat.

Doch inzwischen frage ich mich, ob nicht meine Mutter in ihrer eigenen Gefühllosigkeit ein "Opfer" meiner Großeltern war? Ich will nicht sagen, dass meine Großeltern herzlose Menschen sind. Aber sie zeigen ihre Gefühle nicht, zumindest nicht die guten. Sie ließen mich aber immer spüren, dass ich nicht ihren Erwartungen entspreche. Schon als Kind. Ich war ängstlich, schüchtern, ein Bücherwurm und kein Sportler. Damit konnten sie nichts anfangen. Mein Bruder und meine zwei Cousinen dagegen wurden immer gelobt und mir als Beispiel vorgehalten. Ich habe mich von ihnen nie geliebt, ja noch nicht einmal respektiert gefühlt.
Was, wenn es meiner Mutter auch so ging und sie das, was sie von meinen Großeltern erfahren hat, einfach nur an mich weitergegeben hat? Nicht, dass das meine Vergangenheit ändern würde, aber vielleicht meinen Blickwinkel darauf. Mein Verständnis für den Lauf der Dinge.
Und doch werde ich auch diese Frage mit meiner Mutter nicht mehr klären können. Und das Verhältnis zu meinen Großaltern ist so schlecht, dass ich die beiden alten Leutchen nicht darauf ansprechen kann. Das übersteigt meine momentanen Kräfte.
Also werde ich den Anstandsbesuch an Heiligabend irgendwie über mich ergehen lassen. Wenigstens wird mein Mann dabei sein. Ein Trost.

Ich finde es immer wieder krass, wie sehr uns unsere Vergangenheit verfolgen kann. Wie sehr wir auf die Anerkennung von anderen Menschen angewiesen sind und wie sehr uns Zurückweisung dauerhaft zerstören kann. Wie man selbst mit über 30 noch an sich zweifelt, an dem Menschen der man ist, weil man früher dem Idealbild seiner Familie nicht entsprochen hat. Wie ich auch heute noch nach Perfektion strebe, weil ich mir Anerkennung, Respekt und Zuneigung wünsche.

Das Leid meiner Kindheit hallt in mir nach. An manchen Tagen ganz leise, so dass ich es ignorieren kann. Und an manchen Tagen ganz laut - zu laut, um ihm aus dem Weg zu gehen.

Alles Liebe
Anni


Dienstag, 8. Dezember 2015

Schatten der Vergangenheit


Vieles, was zu meiner Depression beigetragen hat, liegt in meiner Kindheit und Jugend verborgen. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen – aber meine Mutter war kein einfacher Mensch und hat mit ihrem Verhalten viel in mir kaputt gemacht. Hat bei mir Verhaltensmuster geschaffen, an denen ich heute noch festhalte. Und die zum Teil nicht gut für mich sind.

Da meine Mutter schon vor 20 Jahren gestorben ist, kann ich diese Zeit mit ihr nicht mehr aufarbeiten. Früher wollte ich ihr so vieles vorwerfen. Ihre Fehler. Doch inzwischen frage ich mich vor allem, was sie zu dem Menschen hat werden lassen, der sie war? Was hat sie in die Sucht getrieben? Hätte ihr jemand helfen können?´

Bis zu meinem Klinikaufenthalt diesen Sommer habe ich mir die Schuld gegeben. Habe mich dafür verantwortlich gefühlt, dass sie diesen Weg gegangen ist. Doch inzwischen weiß ich, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe. Ich war ein Kind – ich hätte ihr nicht helfen können. Das hätte sie nur selbst gekonnt.

Seit dem die Psychologin in der Klinik diesen Knoten mit mir zusammen gelöst hat, geht es mir besser. Ich denke nicht mehr nur mit Schmerz an meine Vergangenheit und habe meiner Mutter vergeben.
Und doch sind da immer wieder Tage, die mich zurückholen – zurück in das Leid dieser Zeit. Ein Lied, eine Szene in einem Film oder einem Buch und ich kann sie fast vor mir sehen, ihre Stimme hören. Sehe Erlebnisse vor mir als wären sie erst gestern passiert. Und fühle tief in mir den Wunsch, das alles einfach nur vergessen zu können. Zu den Menschen zu gehören, die eine schöne Kindheit hatten. Mit Müttern, die sie unterstützt und stark gemacht haben und nicht klein geredet, überfordert und innerlich verwundet haben.


Aber ich weiß auch, dass das nicht geht. Dass meine Vergangenheit zu meinem Leben gehört und auch gute Eigenschaften in mir hervorgebracht hat. An guten Tagen kann ich mich auf das Positive fokussieren. An schlechten Tagen tun die Gedanken einfach nur weh.

Passt auf euch auf – alles Liebe

Anni

Sonntag, 6. Dezember 2015

Mein Wunschzettel

Ihr Lieben,

früher war mein Wunschzettel ans Christkind immer voller Dinge, die ich unbedingt haben wollte. Zuerst Spielsachen, dann Bücher, irgendwann Klamotten, Schmuck, Parfum. Doch dieses Jahr wünsche ich mir andere Dinge.

Ich wünsche mir für meinen Vater, dass er das Leben ohne meine Mutter weiter so tapfer auf die Reihe bekommt. Dass er wieder mit Zuversicht in die Zukunft schauen kann. Und dass er sich nicht aufgibt, auch wenn er sie für immer vermissen wird.

Ich wünsche mir für meine Schwester, dass sie und ihre Tochter endlich zur Ruhe kommen können und nicht mehr vom Vater der Kleinen terrorisiert werden.
Für meinen Bruder wünsche ich mir, dass er für sich und seine Familie endlich die Wohnung findet, die er sich so sehr wünscht.

Ich wünsche mir für meine Freundinnen, dass sie all die Herausforderungen vor denen sie stehen, durchstehen und erfolgreich meistern - sei es die Gesundheit, das Liebesleben, die Wohnungssuche  oder auch die Risikoschwangerschaft und eine hoffentlich reibungslose Geburt.

Und für mich selbst wünsche ich mir, wieder Freude am Leben zu haben, meine Leichtigkeit zurückzubekommen, meinen Optimismus. Ich weiß, dass ich sicher noch nicht wieder gesund werden kann. Aber ich hoffe, zumindest zwischendurch ein wenig Normalität spüren zu können.

Habt noch einen schönen zweiten Advent.

Alles Liebe
Anni

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Ein Brief an mich selbst


Liebe Anni,

 
du hast die Tablettenumstellung überstanden. Herzlichen Glückwunsch dazu. Es war keine leichte Zeit. Aber du spürst, dass es hilft. Die Quälerei der letzten Wochen war also nicht umsonst.
Und nun ist es auch an der Zeit, dass du dich wieder um dich kümmerst. Dass es wieder um dich geht. Um was dir gut tut, was dich weiterbringt. Es gibt so vieles, was du für dich tun kannst. Fang bitte einfach wieder damit an, es zu tun. Yoga, Tee trinken, malen, bloggen, lesen, raus gehen, baden, lesen – was auch immer gut für dich ist, tu es.
Und vor allem, tu was gut für dich ist im Umgang mit anderen. Brich Kontakte ab, die dir nicht gut tun. Tu nichts, was dir wiederstrebt. Sei nicht, wie andere dich haben wollen. Sei nur so, wie DU bist. Du bist nur dir Rechenschaft schuldig. Sag „nein“ wenn es sich für dich richtig anfühlt. Kümmere dich nicht um das, was andere von dir denken. Alles was zählt ist dein Leben – leb es wie du es willst. Mach es dir selbst recht – und nur dir selbst.
Sei nicht hart zu dir. Du bist wieder und wieder aufgestanden. Hast gelernt dir Hilfe zu suchen und sie anzunehmen. Hast deine Krankheit akzeptiert und kämpfst. Jeden Tag. Mal mehr, mal weniger. Und auch das ist okay. Du musst nicht immer stark sein. Nicht perfekt. Du darfst schwach sein. Fehler machen. Auch das bist du. Steh auf, lerne und mach weiter.
Du bist gut so wie du bist. Nimm dich an. Liebe dich und schätze dich wert. Geh liebevoll mit dir um. Du hast jedes Recht dazu. Sei selbstbewusst und steh zu dir. Du kannst und darfst das.
Du bist clever, flexibel, vielseitig interessiert, humorvoll, empathisch; du nimmst Anteil und kümmerst dich, auf dich kann man zählen. Hast immer ein offenes Ohr und ein gutes Wort. Hab das nicht mehr nur für andere – hab es vor allem für dich selbst.
Geh deinen Weg – dein Herz kennt die richtige Richtung. Trau dich. Jetzt ist die beste Zeit dafür, heute der beste Tag. Ich glaube ganz fest an dich.

Alles Liebe

Anni

Donnerstag, 12. November 2015

Licht und Schatten oder Schatten und Licht


Ihr Lieben, entschuldigt, ich habe meinen Blog wieder vernachlässigt. Aber in den letzten Tagen fehlte mir einfach die Energie zum Schreiben.

 

Ich habe euch ja erzählt, dass ich meine Medikation umstelle. Das habe ich letztes Wochenende angefangen. Die beiden Tage mit je nur einer halben Dosis Citalopram waren ganz okay. Und auf das Venlafaxin muss sich mein Körper wohl noch einstellen …. Bisher nehme ich nur morgens 37,5 mg, das werde ich dann ab Sonntag auf 75 mg steigern.

 

Die Nebenwirkungen halten sich zurzeit in Grenzen. Ich habe einen sehr trockenen Mund, trockene Augen, ein bisschen Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten …. Aber ich merke, dass diese kleine Dosis für mich nicht ausreicht. Meinen Tag im Büro schaffe ich einigermaßen. Aber sobald ich abends meine Wohnung betrete, falle ich auf meine Couch und harre dort aus bis es Zeit ist, um ins Bett zu gehen. Als würde ich mit meiner Büro-Kleidung den Rest an Energie abstreifen, der mich durch den Tag getragen hat. Drückt mir bitte die Daumen, dass das mit der höheren Dosis anders wird.

Aber ich merke morgens schon eine kleine Besserung, den Vormittag überstehe ich mich deutlich mehr Schwung und besserer Laune. Ich muss mich nicht mehr zu sehr verstellen, um nach außen den Schein zu wahren. Das lässt mich hoffen.

 

Was ich ein bisschen schade finde – das Citalopram hat mich immer sehr müde gemacht, weshalb ich es auch immer abends genommen habe. Danach habe ich super geschlafen, tief und erholsam. Das fehlt mir jetzt – und zack! sind meine Schlafstörungen wieder da. Also noch ein Punkt, an dem ich arbeiten muss.

 

Aber ich freue mich auf ein paar freie Tage nächste Woche. Wäre schön, wenn die Sonne bis dahin noch ein bisschen bleiben würde – so ein langer Herbstspaziergang tut meiner kleinen kranken Seele immer gut.

 

Alles Liebe

Anni

Donnerstag, 5. November 2015

Und die Terroristen sind zurück ...

Tja, was soll ich schreiben? Nach meinem Kurzurlaub ging's mir ja ganz gut. Doch das war leider nicht von langer Dauer.

Seit Montag bin ich wieder in eine ganz dunkle Phase gerutscht. Die Leere in meinem Kopf ist wieder da. Alles kostet mich Anstrengung. Ich weiß nichts mit mir anzufangen. Theoretisch weiß ich, was ich probieren könnte, um mir selbst zu helfen, aber dazu kann ich mich nicht aufraffen. Ich rutsche immer noch weiter, ich weiß das - doch ich kann nichts tun, um mich selbst aufzufangen.
Ein ungutes Gefühl. Schwer in Worte zu fassen. Es ist so absurd. So anstrengend. So mühsam, den Kampf wieder aufzunehmen.

Manchmal bin ich den Kampf gegen diese Terroristen in meinem Kopf einfach leid. Will mich ihnen ergeben. In ihre Arme sinken, ihren Worten glauben, nicht mehr um mich treten. Wozu das alles? Wozu die Mühe, die Schmerzen, das Leid?

Doch diese Gedanken gehen vorbei. Ich weiß, dass sie zu mir, zu meiner Krankheit dazu gehören. Ich muss sie annehmen. Mich nicht auch noch selbst dafür verurteilen, das ich so denke. Weil mich das nur noch weiter in die Arme der Terroristen treiben würde.

Mir bleibt ein kleines Stückchen Hoffnung, dass sie sich bald wieder zurückziehen. Mir eine Ruhepause gönnen. Diese Hoffnung hält mich am Leben. Ich will nicht aufgeben.

Alles Liebe
Anni

Sonntag, 1. November 2015

Latest news ...

Jetzt habe ich ein paar Tage nichts von mir hören lassen, aber es war einfach wahnsinnig viel los. Im Büro ging es die letzten Tage extrem rund und zusammen mit dem trüben Wetter draußen war es für mich echt schwierig, das durchzustehen. Ich war körperlich und geistig komplett erledigt und hing die Zeit, die ich nicht im Büro war, nur auf meiner Couch rum.

Und am Donnerstag hatte ich dann einen Termin beim Psychiater. Der mich jetzt auf ein neues Medikament umstellen wird .... Ich hoffe, damit meine Antriebslosigkeit wieder besser in den Griff zu bekommen, habe aber auch Angst vor den Nebenwirkungen. Die Einstellung auf das Citalopram im März hat mir extrem viel abverlangt. Ich hoffe, dass es dieses Mal glimpflicher abgeht für mich ... Noch bin ich mir nicht sicher, wann ich die Umstellung in Angriff nehme. Ich werde aber sicher hier darüber schreiben.

Zu guter letzt waren mein Mann und ich dann für ein verlängertes Wochenende am Bodensee. Es war herrlich und hat gut getan, das Gewohnte mal für ein paar Momente aus dem Kopf zu bekommen. Ein gemütliches Hotelzimmer, gutes Essen, Bewegung an der frischen Luft, shoppen und gemeinsame Zeit mit dem Liebsten - was will man mehr?
Morgen habe ich noch einen Tag frei - ich werde versuchen, ihn ruhig angehen zu lassen und noch etwas für mich zu tun. 

Alles Liebe
Anni

Sonntag, 18. Oktober 2015

Depression = Anstrengung

Ihr Lieben, ich weiß nicht, ob ihr alle auch unter Depressionen leidet, die ihr das hier lest. Für die, die  meinen Blog lesen, weil einer ihrer Lieben betroffen ist, will ich heute mal versuchen zu erklären, wie sich eine Depression anfühlen kann. Natürlich bezieht sich das hier nur auf meine Erfahrungen und es gibt noch viele, viele andere Ausprägungen.

Depressiv sein ist für mich vor allem eins - anstrengend. So vieles, was mir früher nichts ausmachte oder sogar leicht fiel, ist jetzt eine Belastung für mich.

Lärm ist so ein Ding. Oder große Menschenmengen. So wird also die tägliche Fahrt mit der Bahn zur Arbeit und zurück eine Herausforderung. Ich bin eh kein Morgenmensch und dann direkt sowas. Ich werde unruhig, unsicher und würde am liebsten direkt wieder aussteigen. Nach einer halben Stunde in der Bahn bin ich müde, erschöpft und ausgelaugt. Inzwischen versuche ich, mich von der Unruhe um mich herum abzulenken. Mit Musik auf den Ohren und einem guten Buch. Es klappt ganz gut - nicht immer, aber wirklich oft.

An manchen Tagen ist aber zum Beispiel auch schon aufstehen anstrengend. Ich mache die Augen auf und habe das Gefühl, einfach nicht aufstehen zu können. Mich dem Tag nicht stellen zu können. Dass mir die Herausforderungen zu viel werden. In meinem Kopf baut sich eine Wand aus Sachen aus, die ich erledigen muss. Eine Wand aus früher unbedeutenden Kleinigkeiten. In der Summe für mich nicht mehr zu schaffen.
Unwichtige Dinge wie "Was ziehe ich an?" "Was esse ich heute?" "Ich muss den Brief zur Post bringen."  werden zu schier unlösbaren Aufgaben. Ich sehne mich nach Ruhe und weiß aber doch gleichzeitig, dass ich mein Leben angreifen muss, um mich nicht noch schlechter zu fühlen.

Diese Belastungen sind nicht nur geistig anstrengend sondern auch körperlich. Ich bekomme davon Kopfschmerzen, mir wird schwindelig, einen Druck auf der Brust. Bewusstes Atmen kann helfen. Kann, muss es aber nicht.

Und das anstrengendste überhaupt ist das Überspielen. Das vortäuschen von guter Laune. Von Stabilität. Von Gesundheit, Motivation und Energie. Meine Kollegen zum Beispiel wissen nicht, was mit mir los ist. Das müssen sie auch nicht. Aber ihnen gegenüber will ich immer noch die alte Anni zeigen, die immer engagiert und gut drauf ist. Das kostet eine unglaubliche Menge an Energie.

Was hilft gegen diese Anstrengung? Mir am ehesten Ruhe. Eine Zeit nur für mich. Yoga, meditieren, malen. Ein Spaziergang in der Mittagspause. Zeit, in der ich mich auf mich besinnen kann. Kraft tanken für die nächste Herausforderung. Und das jeden Tag auf's Neue.

Alles Liebe
Anni

Dienstag, 13. Oktober 2015

Ruhe im Sturm finden

Zurzeit ist es bei mir im Büro wirklich stressig. Gestern hatten wir eine sehr lange Sitzung einer Vorstandskommission und heute ist viel zu viel los und alles gleichzeitig. Früher habe ich solche Tage geliebt, mir konnte gar nicht genug los sein. Ich war und bin einfach mit Leib und Seele Assistentin und gerne mitten drin, koordiniere und organisiere für mein Leben gerne.
Das hat sich mit der Krankheit stark verändert. Mir wird schnell alles zu viel und mehrere Dinge gleichzeitig zu machen, schaffe ich einfach nicht mehr. Dann fühle ich mich überfordert, mein Kopf wird leer und es geht gar nichts mehr. Konzentrieren kann ich mich nur über kurze Zeitspannen und was ich mir nicht aufschreibe, vergesse ich.


Zu Hause habe ich mir ein paar Strategien zurecht gelegt, mit denen ich gegen diese Überforderungswellen angehen kann. Aber vieles davon geht im Büro nicht. Ich kann kein Yoga machen, nicht meditieren und Rätsel lösen geht auch nicht.


Was also tun?
Heute habe ich mir in der Mittagspause einen Spaziergang im Park gegönnt. Habe tief durchgeatmet, die Bäume betrachtet und mir eine Kastanie mitgenommen. Es waren zwar nur 20 Minuten, aber danach kam ich entspannter ins Büro zurück. Ich habe mich in dieser Zeit nur auf das Gehen, das Atmen und das Sehen konzentriert und die Gedanken an meine Aufgaben im Büro links liegen lassen. Seit dem greife ich nun zwischendurch immer nach der Kastanie, halte sie in meiner Hand und spüre ihr Gewicht. Gehe ganz bewusst in diesen Moment und blende den Rest aus. Das hilft mir beim regenerieren, beim zu mir selbst zurückfinden.
Das bewusste Vertiefen in den Moment ist für mich wie ein Anker geworden. Eine kurze Atempause im Sturm des Lebens. Manchmal vergesse ich es im täglichen Trubel noch. Doch mehr und mehr spüre ich das Bedürfnis nach diesen kleinen Oasen im Alltag.


Probiert es doch auch einmal aus und berichtet mir in den Kommentaren von euren Erfahrungen.


Alles Liebe
Anni



Samstag, 10. Oktober 2015

Wenn die Seele durchhängt ...

Die letzten Tage hatte ich einen wirklich bösen Durchhänger. Meine Gedanken wollten einfach nicht zur Ruhe kommen und schwirrten durch meinen Kopf wie Flitter in einer Schneekugel. Zu diffus, um einen davon zu fassen zu bekommen. Dieser Overload im Hirn ist schwer zu ertragen. Er überträgt sich auf die Gefühle, auf die Seele. Unkonzentriert, unmotiviert, angestrengt und überfordert, so fühlte ich mich die letzten Tage. Musste im Büro aber funktionieren und einen guten Eindruck machen. Und dazu dann die Angst, aus diesem Durchhänge nicht mehr herauskommen zu können. Sie lauert im Unterbewusstsein und treibt dort ihr Unwesen. Schleicht sich immer mal wieder an und übernimmt in ruhigen Momenten die Herrschaft über die Gedanken.

Das Leben macht an solchen Tagen keinen Spaß. Es ist mühsam und anstrengend. Auch die Hoffnung auf Besserung ist nur schwer zu greifen. Sie scheint zu weit weg, zu schwach, um sich gegen das Negative durchzusetzen.

Aber ich habe die Kurve gekriegt. Zumindest mal für heute. Ich war heute besser gelaunt, meine Gedanken sind ruhiger, das Schöne hat sich mir wieder mehr und mehr gezeigt. Ich hab es zur Kosmetikerin und zum Friseur geschafft, war einkaufen und hab die Wohnung saubergemacht. Und das alles, ohne das Gefühl zu haben, damit überfordert zu sein. Die Hoffnung auf einen weiteren guten Tag morgen ist da - groß und stark.

Alles Liebe
Anni


Dienstag, 6. Oktober 2015

Der Herbst ist da ...

Draußen wird es nun mit mächtigen Schritten Herbst. Auf der einen Seite liebe ich diese Jahreszeit - bunte Blätter, Kastanien, Kürbisse, Zeit für heiße Schokolade, Tee und Kuschelabende auf der Couch. Auf der anderen Seite schlägt mir der Herbst immer auf die Stimmung. Es ist dunkel, kalt und nass. Man kann nicht mehr so viel raus, morgens beim aufstehen ist es finster und wenn man abends aus dem Büro kommt auch.

Das fehlende Sonnenlicht wirkt sich auch negativ auf die Depression aus und kann diese sogar verstärken. Manche Menschen reagieren auf den Mangel an UV-Strahlung mehr, manche weniger. Ich merke es immer sehr stark. Mein Mann und ich haben früher immer ein bisschen über meine "Herbstdepression" gewitzelt. Nun aber weiß ich, dass das durchaus keine Einbildung von mir war. Ich war schon länger anfällig für eine "richtige" Depression. Hätte ich vielleicht rechtzeitig etwas unternehmen können, um nicht krank zu werden?
Diese Frage ist müßig und ich stelle sie mir auch nicht wirklich. Mit der Vergangenheit zu hadern bringt ja schließlich nichts. Die Situation ist eben so wie sie ist. Ich kann nur das Beste daraus machen. Und das ist in dem Fall zu versuchen, trotz Schmuddelwetter Zeit draußen zu verbringen. Und sei es nur eine halbe Stunde in der Mittagspause. Eine andere Möglichkeit wäre eine UV-Lampe, aber ich bin kein Fan davon, sich 30 Minuten lang vor ein künstliches Licht zu setzen. Dann lieber ab in Gummistiefel und Regenmantel und raus an die Luft. Und Bewegung tut uns Depressiven ja schließlich immer gut.


Habt einen schönen und hoffentlich immer wieder auch sonnigen Herbst.


Alles Liebe
Anni

Sonntag, 4. Oktober 2015

Von Sonntagen und Auszeiten

Glücklicherweise geht es mir heute tatsächlich wieder etwas besser als gestern. Ich habe bevor ich ins Bett gegangen bin noch autogenes Training gemacht (eine geführte Variante, die ich mir aus dem Internet runtergelassen habe). Das hat mir dabei geholfen, vor dem Einschlafen aus dem elenden Gedankenkarussell auszusteigen.

Heute haben mein Mann und ich uns mit einen befreundeten Paar getroffen und waren bei uns im Ort auf dem verkaufsoffenen Sonntag unterwegs. Das war ganz okay - nur in einem Laden bin ich fast durchgedreht. Es war dort total voll, laut und trubelig. Eine Situation, die ich seit der Depression nur sehr schwer ertragen kann. Das wird mir schnell zu viel. Ich werde dann auch wieder total unruhig, fühle mich überfordert. Also hab ich mich nach draußen verdrückt und dort auf meine Begleiter gewartet. Das hat mir den Nachmittag wohl gerettet. Ein paar Mal tief durchatmen, die Augen schließen, kurz innehalten und den Rest ausblenden. Fällt mir auch nicht immer leicht, aber heute hat es ganz gut geklappt.
Wir waren dann noch in Ruhe einen Kaffee trinken, das war schön und hat mir auch gut getan. Aber jetzt reicht es dann auch für heute. Den Rest des Abends werde ich entspannt auf der Couch verbringen, einen Tee trinken und Kraft sammeln für den neuen Tag im Büro morgen.

Auf jeden Fall habe ich wieder einmal gemerkt, wie wichtig diese kleinen Auszeiten zwischendurch für mich sind. Mich kurz aus dem Geschehen herausnehmen, mich auf meinen Atem konzentrieren, etwas Abstand gewinnen. Diese kurzen Momente der Achtsamkeit helfen mir dabei, stressige oder unangenehme Situationen besser zu bewältigen. Dabei unterstützt mich das Wissen aus dem Yoga-Kurs,  in den ich seit Jahren gehe. Und dazu fange ich gerade an, mich mit der Achtsamkeitslehre nach Jon Kabat-Zinn zu beschäftigen. Ich bin gespannt, ob mir das im Kampf gegen die Depressionen helfen kann.

Habt einen schönen entspannten Abend.
Alles Liebe
Anni

Samstag, 3. Oktober 2015

Von guten und schlechten Tagen

Wenn du Depressionen hast, gibt es gute und weniger gute Tage. Tage voller Energie, an denen sich das Leben fast so anfühlt als seist du nicht krank. Und andere Tage, an denen du dir wieder deutlich bewusst wirst, dass du doch immer noch krank bist.

Heute haben ich einen dieser wenigen guten Tage. Ich bin unruhig, unzufrieden, grundlos traurig, kann nichts mit mir anfangen. Vorhin hab ich mich gezwungen, ein bisschen an die Sonne zu gehen. Aber selbst die Bewegung und die frische Luft, die mir sonst so gut tun, konnten heute nichts ausrichten. Also liege ich nun hier auf meiner Couch, hänge im Internet und warte darauf, dass der Tag eine Ende nimmt.

Diese Tage haben wir Depressiven immer wieder. Manchmal, wenn wir Glück haben, ist es zwischendurch nur einer. Aber wenn wir Pech haben, werden aus dem einen Tag zwei ... oder eine ganze Woche ... oder noch länger. Die Krankheit ist unberechenbar. Klar gibt es Dinge, die wir dagegen tun können. Bewegung, ablenken, lesen, putzen, Tagebuch schreiben, basteln - Ablenkung an sich. Jeder muss hier das finden, was bei ihm hilft. Doch auch diese Strategien können an manchen Tagen versagen. So wie bei mir heute. Dann gilt es, sich nicht entmutigen zu lassen. Den Durchhänger nicht überzubewerten. Aber das ist hart. Die Angst vor einer unbestimmten Zahl schlechter Tage ist dann fast übermächtig. Sie hängt wie eine schwarze Wolke über mir.
Und doch scheint irgendwo hinter dieser dunklen Wolke die Sonne, auch wenn ich sie in diesen Momenten nicht sehen kann. Und die Hoffnung, dass sie stärker ist und durch das grau bricht begleitet mich. Um mein rechtes Handgelenk trage ein ein schmales silbernes Armband mit dem Wort HOPE. Es erinnert mich daran, an dieser Hoffnung festzuhalten, auch wenn mein Tag nicht gut läuft. Irgendwann wird es wieder besser, ich muss nur fest daran glauben.

Freitag, 2. Oktober 2015

Schwere Zeiten

Nachdem es mir also eine Zeitlang wirklich gar nicht mehr gut ging, machte ich einen Termin bei meiner Hausärztin. Freundinnen hatten auf eine Schilddrüsen-Störung getippt. Doch nach einem großen Blutbild und diversen anderen Untersuchungen stand fest: Ich habe Depressionen. Und habe alleine keine Chance, da wieder rauszukommen. Ich saß meiner Ärztin gegenüber und mir liefen Tränen über's Gesicht. Es war eine Mischung aus Bestürzung, Angst, aber wohl auch einer gewissen Erleichterung. Und irgendwie hatte ich tief in mir schon gespürt, dass mein Zustand keine körperlichen Ursachen hat. Nur wollte ich mir das nicht eingestehen. Nicht zugeben, dass ich nicht mehr stark genug war, um mit meinem Leben klarzukommen. 
Mit einem Kopf voller wirrer Gedanken und einem Rezept für Citalopram verließ ich die Praxis. Rief meinen Mann an. Ging bei meinem Vater vorbei und weinte dort weiter. Ich konnte das alles nicht begreifen, obwohl ich gleichzeitig wusste, dass die Diagnose stimmte. 
Trotzdem war es schwer für mich, mich darauf einzulassen. Eine Depression ist nun mal kein gebrochenes Bein, dass wieder zusammenwächst. Sie greift so grundlegend in das bisherige Leben ein, dass man anfängt, alles infrage zu stellen. Alles anders zu bewerten. Sich noch weiter in sich zurückzieht. Ich hatte hart daran zu kauen. 
Und nicht nur die Diagnose an sich war schwierig für mich - auch die Nebenwirkungen der Tabletten machten mir schwer zu schaffen. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schweißausbrüche ... Ich verbrachte die Tage nach dem Arzttermin ausschließlich auf der Couch oder im Bett. Wollte niemanden sehen, mit niemandem reden. Konnte keinen klaren Gedanken fassen. Hatte keinen Appetit, keinen Antrieb, keine Perspektive. Wie sollte das alles für mich nur weitergehen? Sollte so der Rest meines Lebens aussehen? 

Mittwoch, 30. September 2015

Wie alles begann ...

So, ihr Lieben, jetzt noch ein bisschen mehr zu mir:
Ich bin Ende 30, verheiratet mit einem wunderbaren Mann, hab einen stressigen, aber guten Job als Assistentin und hab ne tolle Familie und liebe Freundinnen.
Ich mag Seifenblasen, Luftballons, Pusteblumen, Einhörner und die Farbe rosa; ich lese gerne, mache Yoga und bin gerne an der frischen Luft. Ich kuschel mich gerne auf meine Couch und schaue mir Sex and the city an. Ich habe eine Schwäche für Handtaschen und liebe ausgedehnte Shoppingausflüge. Ich bin einfach in vielen Dingen ein Mädchen. Ich kann aber auch meinen Mann stehen, mich im Büro behaupten und tiefsinnige Gespräche führen.

Eigentlich könnte ich mit meinem Leben zufrieden, ja sogar glücklich sein. Aber seit letztem Jahr stimmt da irgendwas nicht. Als hätte jemand in meinem Kopf den falschen Schalter gedrückt. Reizbar, immer müde, unkonzentriert, überfordert, lustlos, freudlos - ich hatte mich irgendwie verloren. Hatte mich und mein Leben nicht mehr im Griff. Nicht von heute auf morgen, aber langsam, schleichend über ein paar Wochen. Ich wurde zu einer Belastung für mein Umfeld, vor allem natürlich für meinen Mann und - ganz ehrlich - für mich selbst auch. Ich wusste nichts mehr mit mir anzufangen, war mir selbst fremd geworden. Und kam doch nicht dagegen an, konnte einfach nichts tun. Ich drehte mich nur noch um mich, wie es mir ging, was ich alles nicht mehr schaffte. Ich sagte Verabredungen ab, wollte nicht mehr raus - nur noch fernsehen, schlafen. Und doch war ich unzufrieden. Fand selbst durch Schlaf keine Erholung mehr. Was war nur los mit mir? Was stimmte nicht mehr? Wo war die alte Anna, die immer alles anpackte, anderen half, ihren Job, ihren Haushalt schmiss und nebenher noch ein offenes Ohr für Familie, Freunde und Kollegen hatte? Wo waren mein Optimismus, meine Lebensfreude und mein Urvertrauen hin?

So viel erst mal für heute.
Eure Anni

Willkommen!

Herzlich Willkommen hier auf meinem neuen Blog!
Ich bin Anni und möchte euch hier ein bisschen über mich und mein Leben mit Depressionen erzählen. Über meine Guten und schlechten Tage berichten und über Dinge, die ich ausprobiere, um die Depression in Schach zu halten.
Der erste längere Post kommt ganz bald!
Ich freu mich auf euch.
Eure Anni